Interview mit Alice Ammermann

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Alice Ammermann Interview mit Alice Ammermann.

Sie war u.a. die zuständige Redakteurin der Sendung Mittendrin beim ZDF.

1. Peter Lustig erzählte mir, dass Sie es waren, die die Idee zur Sendung hatten. Wie kam es dazu?

Die Idee, ein Umweltmagazin zu machen, lag nahe. In den
achtziger Jahren kamen die Umweltthemen wie eine Lawine auf uns zu.

Und sie hatten etwas Bedrohliches. Dem konnte man eigentlich nur etwas Sachliches entgegesetzen und das sollte glaubwürdig, sympathisch und unterhaltsam sein.
Was lag da näher, als Peter Lustig zu fragen.

 

2. Wer ist auf die Idee gekommen, Peter mit einem Schreibtisch durch das Land ziehen zu lassen?

 Nach meiner Erinnerung war der Schreibtisch Peters Idee. Auch die
Ausstattung -Wasserhahn, Windrädchen usw. - war seine Idee.

3. Wer war noch an der Entstehung der Sendung beteiligt?

Wesentlich an der GBurghardt  Mönter und Peter Lustigestaltung und besonders an den Inhalten war Prof.Burckhardt Mönter beteiligt.

Er hat auch die Themen strukturiert, so dass eine gewissen Systematik entstand.

Ebenfalls hat sehr kreativ mitgewirkt der Regisseur Karl-Heinz Käfer, später auch Wolfgang Lünenschloss.

4. Wissen Sie zufällig noch 1-2 Drehorte, also wo die waren?

Die Drehorte waren dem Inhalt gemäß sehr verschieden. Die Einspielfilme
entstanden ja nur selten an den Drehorten, wo die Szenen mit dem
Schreibtisch gedreht wurden. Häufig mussten wir auch Archivmaterial benutzen (aus dem ZDF Archiv oder es wurde Bildmaterial angekauft z. B. wenn es um den Regenwald ging oder Plantagen gezeigt werden sollten usw.)

Sie meinen wohl mehr die Drehorte mit dem Schreibtisch und Peter.

Sehr eindrucksvoll war der Dreh im Klärwerk. Es stank nicht, bzw. nicht stärker als sonst in einer stickigen Stadt, alles sah sehr technisch aus, Peter  machte an seinem Schreibtisch Experimente, um zu zeigen, wie nach und nach das Dreckwasser geklärt wird.

Oder im AKW Brunsbüttel, wo das ganz Team so nach und nach im wahrsten Sinne eingeschleust wurde. Oder Peter auf dem Hamburger Fischmarkt als Bananenverkäufer. Ich war nicht bei allen Peter-Dreharbeiten dabei.
 

5. Wie war damals die Resonanz auf die doch ernstere Sendung?

Die Resonanz war von Anfang an positiv. Die Themen und deren Aufbereitung waren ja nicht unanähnlich denen von Löwenzahn. Durch den Schreibtisch wurden sie etwas "karger" vermittelt, und selten hatte Peter einen Gesprächspartner und der war dann auch nicht inszeniert, um einen emotionalen Gegenpol zu Peter zu spielen, sondern er war in der Regel der Experte z. B. der Ökobauer, der Förster usw. Peter war sozusagen der ideale Vermittler, der ideale Lehrer.
 

6. Gab es Preise für Mittendrin?

Es gab viele Preise. Einer war besonders erfreulich: Die Redaktion hatte eine Folge zum Goldenen Spatzen in Erfurt eingereicht und zwar für die Kategorie "Information". Die Kinderjury fand das Programm so amüsant und erfrischend auch mit den Informationen, dass sie es zum besten Programm in der Kategorie "Unterhaltung" ausgezeichnet hat.

Die Liste mit den Auszeichnungen steht noch aus.

7. Hat es lange gedauert die Drehgenehmigung für das Atomkraftwerk zu bekommen ?

Wie lange genau wir auf die Genehmigung zum Dreh im AKW gewartet haben, weiß ich nicht mehr genau. Wie Sie aus der Antwort zur Frage 8  sehen, hatten wir für die Vorbereitung immer ausreichend Zeit, so dass mir jetzt auch nicht eine einziges Beispiel einfällt, wo wir unangemessen lange auf eine Drehgenehmigung hätten warten müssen. Allerdings habe ich noch gut in Erinnerung, dass wir der zentralen Organisation der Kernenergiewirtschaft in Frankfurt am Main (die präzise Bezeichnung der Organisation fällt mir im Moment nicht ein) das Drehbuch vorlegen mussten und "eingeladen" wurden, persönlich den Presseverantwortlichen in Frankfurt unser Projekt zu erklären. Wir bekamen dann sogar die Genehmigung einen Zeichentrickfilm, der die Grundzüge der Kernenergiegewinnung und die Sicherheitsvorkehrungen verständlich zeigte, verwenden zu dürfen. Das allerdings nur ein Mal. Später wollten wir im Zuge der Wiederholungen auch diese Folge wieder zeigen. Dazu ist uns nie eine Genehmigung gegeben worden.
 

8. Wie lange dauerte es von der Idee bis zur Sendung einer Folge?

Da Sie persönlich Peter Lustig kennen, wissen Sie, dass er körperlich nicht so belastbar war, wie  ein Schauspieler normalerweise. Also haben wir unseren Produktionsryhtmus so weit wie möglich seiner Leistungsfähigkeit angepasst.

Nach einer Themenkonferenz  (meistens im Oktober/ November) mit allen Beteiligten - ZDF Redakteurin(nen), Prof. Mönter, natürlich Peter, dem Regisseur, dem Produktionsleiter, der Redakteurin in der Produktionsfirma (Gerda Mann, später Elke Schwabe) und dem Produzenten Wolfgang Mann) wurden vier oder fünf Treatments entwickelt, die Anfang des neuen Jahres vorlagen.

Dann gab es noch ein oder zwei Drehbuchbesprechungen in ähnlicher Zusammensetzung, der Produktionsleiter prüfte inzwischen die möglichen Drehorte, gegebenenfalls wurden die Einspielfilm schon in Auftrag gegeben (wenn es Zeichentrickfilme waren, dauerte das damals länger als heute, auch
bei bescheidener Fünf- Minuten- Länge). Der Dreh erfolgte meist in den Sommermonaten, unmittelbar danach begann der Schnitt und die Vertonung. Meist änderte Peter anhand der Schnittkopie doch noch was an seinen Off-Kommentaren, aber zum Schluss musste es oft schnell gehen. Die neuen vier oder fünf Folgen wurden im Zusammenhang mit Wiederholungen passender "mittendrin"-Folgen in den Fernseh-intensiven Monaten ab Oktober/ November/Dezember gesendet. In manchen Jahren wurden die neuen Folgen zuvor noch der Presse vorgestellt. Also:  eine "Kurzstaffel"  zu produzieren, dauerte etwa ein Jahr.
 

9. Peter hörte ja dann mit Mittendrin auf. Wie ist man auf Anja Franke
gekommen?

Es war Peters Wunsch, "mittendrin" zu beenden.
In solchen Fällen, wenn eine so starke Persönlichkeit den Charakter einer Serie bestimmt hat, sollte man nicht versuchen, einen ähnlichen Typ zu suchen und mit ihm die Serie weiter zu machen.

Der Vergleich mit dem Vorgänger fällt immer zum Nachteil des Nachfolgers aus.

Also bleibt nur das exakte Gegenbild. In Berlin war damals durch "Liebling Kreuzberg" die forsche, helle Anja Franke aufgefallen. Nach Probeaufnahmen war klar, dass sie für uns die richtige war.
 

10. Sie hatte, wenn ich mich recht erinnere, ein Solar-Auto. Woher stammte das?

Das Solar-Auto war meines Wissens eine Konstruktion der Bühnentechniker der Produktionsfirma. Ich kann mich auch täuschen. Vielleicht haben die Produktionsleute es einer Firma in Auftrag gegeben. Wenn das für Sie wichtig ist, würde ich versuchen, das noch über Herrn von Kornatzki zu ermitteln.
 

11.Der Wechsel wurde, glaub ich, nicht thematisiert. Gab es Reaktionen von Zuschauern, als Peter weg war?

Genaue Reaktionen auf den Wechsel Peter/ Anja habe ich nicht mehr in Erinnerung. Wären sie extrem negativ gewesen, dann, denke ich, würde ich es noch wissen.

12.Peter und ich flachsten bei unserem letzten Treffen hier in Berlin herum und er meinte im Scherz das er ja heute noch Mittendrin machen könnte, da er da ja nur am Schreibtisch sitzen muss - Was meinen Sie, würde Mittendrin heute noch Erfolg haben?

Ob "mittendrin" heute noch Erfolg hätte? - ich weiß es nicht. Das Tempo der Programme hat sich geändert, die Sehgewohnheiten der Kinder haben sich geändert. Man müsste doch wohl aufwendiger produzieren und sich einen Supertechnikschreibtisch konstruieren. Die sogenannten Umweltthemen sind nicht mehr so einfach zu benennen und darzustellen. Die Zusammenhänge sind komplexer geworden. Soviel zum Inhaltlichen. Ansonsten:  Sicher hat Peter auch heute noch viele Fans und sein Charme ist alterslos.

Ich glauben, damit sind Ihre Frage beantwortet. Oder?

Mir freundlichen Grüßen
Ihre Alice Ammermann

Vielen Dank!

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